Author: faurhr104

Jede Stunde zählt! – Rede zur geplanten Arbeitszeitverlängerung

Die Arbeit ist der Stiefel in unserem Nacken. Die Pistole am Kopf. Wie viele Monatsgehälter dürften fehlen bevor die Wohnung weg ist, der Kredit, das Bahnticket und die Lebensmittel nicht mehr bezahlt werden können?

Deshalb rennen wir zur Arbeit. Deshalb häuft sich Schicht über Schicht. Arbeitstag über Arbeitstag und das bisschen was man Freizeit nennen könnte, wird zum Schlafen, Putzen, sich um die Kinder kümmern und so weiter gebraucht.

Trotz des immensen Drucks wird fleißig und viel gearbeitet; zurecht kann man darauf Stolz sein. Es ist ja auch so, dass man in unserem System hauptsächlich für harte Arbeit Respekt und Anerkennung erfährt- aber das nur am Rande. In Deutschland wurden letztes Jahr übrigens mehr Arbeitsstunden erbracht als je zuvor seit der Wende.

Trotzdem soll jetzt noch mehr gearbeitet werden. Die herrschende Regierung will es so. CDU und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass nicht mehr der 8-Stunden-Tag gelten soll. Stattdessen soll als Limit nun die 48 Stunden Woche herangezogen werden. Ihr könnt euch die daraus folgende Arbeitszeit pro Tag ja mal ausrechnen.

Fast 10 Stunden am Tag arbeiten. Dazu noch Hin- und Rückweg? Das wäre es dann mit Freizeit und Erholung. Wenn die Regierung diese Gesetzesänderung durchsetzt, sind wir wieder im Jahr 1910! Übrigens inklusive der damaligen Rollenverteilung, wenn wir für 10 Stunden an die Arbeit gezwungen werden, muss es in jeder Familie eine Person geben die nur noch unbezahlt für Haushalt, Pflege, Kinderbetreuung usw. da ist. Ein ungeheuerlicher Rückschritt!

Das Logo der Kampagne "Jede Stunde zählt" es besteht aus drei untereinander stehenden Sätzen Jede Stunde zählt, daneben ist das Symbol kleiner als acht. Das Bild hat einen weißen Hintergrund und die Buchstaben sind lila Umrandet, das kleiner als acht Symbol ist in hellem lila.

Was wollen wir also? Wir wollen nicht mehr- sondern weniger arbeiten! Die Produktivität ist in den letzten Jahrzehnten schwindelerregend gestiegen. Automatisierung macht Arbeitsabläufe schneller und leichter, das muss sich jetzt endlich auf die Arbeitszeit niederschlagen!

Kürzere Arbeitszeiten bedeuten sozialen Fortschritt, Kürzere Arbeitszeit bedeutet auch kulturellen Forstschritt. Wir finden Zeit für Freundschaft, Bildung und Muße- für Grundideale des Menschen!

Wer hier glaubt ernsthaft, das uns einen solchen Fortschritt- eine angemessene Reduzierung der Arbeitszeit- irgendwelche Parteien bringen? Zum Thema Arbeitszeit und sozialen Fortschritt haben wir die Programme aller großer Parteien verglichen. Parteien der Rechten, der Mitte und der Linken. Man versteht in den Programmen nicht besonders viel, aber in einem Punkt sind sich Alle einig: Die Parteien wollen uns regieren. Was das im Klartext heißt: Sie wollen uns das Fell über die Ohren ziehen. Schluss damit! Wir können selbst für unsere Interessen kämpfen und sie durchsetzen, wir können selbst für sozialen und ökonomischen Fortschritt eintreten. Du und ich. Das Instrument dafür ist die Gewerkschaft.

Durch die Gewerkschaft steigen die Löhne, durch die Gewerkschaft sinken die Arbeitszeiten und wenn die Gewerkschaften es wollen, legen wir den ganzen Laden lahm! Arbeitszeiterhöhung, ohne uns!

Wir sind die FAU, die Freie Arbeiter*innen-Union. Anderen Gewerkschaften haben wir voraus, dass es uns ums Ganze geht. Wir möchten mit euch für mehr kämpfen als den üblichen Inflationsausgleich- die üblichen 2% mehr im Jahr. Langfristig geht es uns darum, die Wirtschaft nach den Bedürfnissen von uns Menschen zu organisieren. Langfristig gehören die Betrieb nicht in private Hand- und auch nicht in staatliche. Die Betriebe gehören in die Hände der Beschäftigten!

Bis dahin ist es noch ein bisschen hin. Aber auf dem Weg möchten wir mit euch für ein besseres Leben im Hier und Jetzt kämpfen. Dabei gibt es keinen Anlass, dass wir Rücksicht auf „die da oben“ nehmen. Denn wer jetzt noch meint, man muss auch mal an die Wirtschaft denken, dem empfehle ich einen Blick in die Villenviertel von Sylt, München oder Monaco. Den Bossen geht es scheiße gut und wir schuften dafür.

Wie geht es jetzt weiter. Grimmiger Blick und verschränkte Arme sind schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, als nächsten Schritt können wir ins Gespräch kommen und kämpferische Gewerkschaften weiter aufbauen. Uns organisieren. Zusammenhalt finden. Gemeinsam vorwärts, statt alleine mit dem Rücken zur Wand.

Für Kontext und ein Video der Rede folgt diesem Link: https://www.instagram.com/fau_ruhr/reel/DRPhXFEExGT/

Herbst des Sozialabbaus?

Ein herbstlicher Wald in orangen Farben. Die Sonne strahlt zwischen den Bäumen hindurch.

Hehre Pläne hat die Bundesregierung für den „Herbst der Reformen“ angekündigt: Eine Komplettsanierung der sogenannten Sozialsysteme. Verbesserungen stehen nicht auf dem Programm, nur Umverteilungen, die die Konkurrenz und damit die Spaltung zwischen den lohnabhängigen Menschen anheizen.

Eine Verschlechterung, die auf uns zukommen wird, sind härtere Sanktionen gegen sogenannte Totalverweiger:innen und Schwarzarbeiter:innen im Bürgergeldbezug. Von einer Erhöhung des Regelsatzes ist keine Rede, nicht einmal von einem Inflationsausgleich.

Solche Reformen werden lohnabhängige Menschen in Arbeit nicht entlasten. Das so durch Gängelung gesparte Geld wird weder den Mindestlohn erhöhen, noch für bessere Personalpläne oder Entlastung sorgen. Stattdessen wird den Arbeitenden nur wieder vor Augen geführt, warum sie lieber nicht aufmucken und ihre Arbeitsbedingungen verbessern sollen.

Rentner:innen geht es ebenfalls an den Kragen. Anstatt dass die Rente erhöht wird, sollen Anreize geschaffen werden, wieder in Arbeit zu kommen, indem sie steuerfrei bis zu 2.000€ im Monat hinzuverdienen können. Welche Aussage dahintersteht, ist ganz klar: Nur, wer hart arbeitet, hat ein Leben über der Armutsgrenze verdient. Auch das ist ein Manöver, mit dem Leute in schlecht bezahlte Jobs mit ebenso miesen Arbeitsbedingungen gedrängt werden sollen.

Umso wichtiger, das nicht hinzunehmen. Wir müssen Verschlechterungen unserer Lebenslagen konsequenten Widerstand entgegensetzen. Wir brauchen positive Visionen und Ziele, auf die wir hinarbeiten können. Nur so können wir uns gemeinsam organisieren und unsere Leben selbst in die Hand nehmen, statt auf Verbesserungen von oben zu hoffen.

Ein Anfang kann bei unseren FAU-Cafés gemacht werden: Am 1. Donnerstag im Monat im Union Salon, Dortmund und am 2. Freitag im Syntopia, Duisburg, beides um 18 Uhr. Wenn ihr eure Interessen bei der Arbeit oder dem Amt durchsetzen, euch mit Gleichgesinnten organisieren oder Fragen zum Arbeitsrecht stellen wollt, kommt vorbei!

Mehr dazu: https://www.nordstadtblogger.de/das-hartz-cafe-fordert-eine-staerkung-des-sozialstaats-respekt-statt-leistungskuerzungen/

Stellungnahme zu den Tarifabschlüssen TVöD und NV-Bühne

Theater: NV-Bühne

Die Gewerkschaft GDBA hat einen Arbeitskampf an Theatern und Opernhäusern mit einem Teilabschluss beendet.
Wie sich aus dem bisherigen Tarifvertrag NV-Bühne herauslesen lässt gab es eigentlich reichlich nachzubessern. Es wurde zwar die Einführung der 39-Stunden-Woche im Bereich “Bühnentechnik” erreicht, an vielen anderen Stellen gab es aber nur kleinere Nachbesserungen.
Aus unserer Sicht wäre mit konsequentem Arbeitskampf mehr dringewesen. Beim allerersten Warnstreik in der Geschichte der GDBA hätten wir uns eine längere Streikdauer gewünscht. 30 Minuten sind zwar ein Anfang, aber kaum spürbar. Wir müssen mutiger werden auch wenn man dabei Risiken eingeht.
Nach diesem Teilabschluss hoffen wir, dass die Verhandlungen zeitnah fortgeführt werden und weitere wichtige Themen besprochen- und vor allem mit Nachdruck durchgesetzt werden.
Als FAU-Betriebsgruppe werden wir zum Beispiel das Thema Gage weiter bearbeiten: Im NV-Bühne “Solo” und “Bühnentechniker” gibt es bisher KEINE gemeinsam anzuwendenden Gagenklassen oder Vergütungsstufen, wie z.B. im TVÖD und im Bereich “Chor” und “Tanz”. Wir sind auf individuelle Verhandlungen angewiesen.
Gesprochen werden muss auch über die Nichtverlängerungsklausel, über Mitspracherechte, wie z. B. die Bühnenschiedsgerichtbarkeit.
Das Abschaffen von altertümliche Begrifflichkeiten wie z. B. geborene und gekorene künstlerische Bühnentechniker.
Der NV Bühne Vertrag ist und bleibt ein Vertrag aus der Steinzeit, sodass wir als Beschäftigte an den Theatern für eine komplette Neuinterpretation des Tarifvertrages kämpfen müssen.

öffentlichen Dienst: TVöD

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